Kunst und Algorithmus

Georg Trogemann untersucht am 6. Juli in der Uni Witten/Herdecke die „falsche“ Trennung von Technik und Kunst(-Wissenschaft)

Ankündigungstext der Universität Witten/Herdecke, Dirk Baecker

Prof. Dr. Georg Trogemann ist nach einem Studium der Mathematik und Informatik seit 1994 Professor für Experimentelle Informatik an der Kunsthochschule für Medien Köln. In seinem Vortrag am Donnerstag, 6. Juli 2017 ab 18:30 Uhr in Raum E110 der Universität Witten/Herdecke betrachtet er Maschinen als das beste Beispiel dafür, dass die Trennung der beiden Kulturen der Technik und der Geisteswissenschaft unsinnig ist. Mehr noch: Sie zeugt von einem falschen Verständnis der Moderne durch sich selbst. Ein Vorurteil lautet, dass die Techniker nicht verstehen, was sie tun, und die Geisteswissenschaftler nicht begreifen, was sie kritisieren.

Aber Techniker arbeiten nicht nur kreativer, als sie häufig durchblicken lassen, und Geisteswissenschaftler kalkulierter, als sie denken – die künstliche Trennung produziert vor allem eine gefährliche zeitliche Reihung: Die Technik macht vor und die Geisteswissenschaft denkt nach. Die technische Entwicklung wird als zweckrationales und funktionales Problem behandelt und erst ihre Auswirkungen und Folgen als kulturelles.

Mit der Digitalisierung von Produktion und Kommunikation steht die Gesellschaft vor einer enormen Herausforderung, die nach neuen gedanklichen und praktischen Experimenten verlangt, um alternative, bisher nicht realisierte Möglichkeiten des Umgangs mit Technik zu erproben. Der Vortrag rekurriert insbesondere auf die Arbeit der Kunst mit Algorithmen, um zu untersuchen, wie das Verhältnis von Material, Semiotik und Denken in ein neues Zusammenspiel gebracht werden kann.

Die Fakultät für Kulturreflexion – Studium fundamentale setzt mit ihrer Vortragsreihe „Angewandte Kulturreflexion“ die öffentliche Diskussion über ihren forschungsprogrammatischen Begriff der Kulturreflexion in Szene. Sie arbeitet am Beitrag der Kulturreflexion zur Bestimmung der gesellschaftlichen Lage des Menschen.